Zeutungsbericht Entlebucher Anzeiger

Escholzmatt-Marbach: Einblick in Amy’s Schokoladen-Werkstatt

Ob hell, dunkel, mit geheimen Gewürzrezepten oder Arvennadeln, in knackiger Tafelform oder flüssigem Sirup – bei «Amy’s Schokoladen-Werkstatt» dreht sich alles um die Kakaobohne. Was hinter dem Prozess «Bean to Bar» steckt und was genau ihre Schokolade besonders macht, erklärte Amy Wiesner dem EA.

Text und Bild Julia Schumacher

Im ersten Stock des Restaurants Rössli in Escholzmatt befindet sich eine kleine Küche mit mintgrün bestrichenen Schränken, Dutzenden Vintage-Postern und verschieden grossen Maschinen, die fast den ganzen Raum einnehmen. Die Luft in der alten Küche ist schwer durch den süssen Duft der Schokolade. Es handelt sich dabei um die Schokoladen-Werkstatt von Amy Wiesner.

«From Bean to Bar»
Die 26-jährige Amy Wiesner stellt selber Schokolade her und zwar von der Bohne bis zur Tafel und ordnet sich somit in der «Bean to Bar»-Bewegung ein. «Bean to Bar» war für Amy Wiesner ein Prozess. Die Grundkenntnisse der Schokoladen-Kunst und die Verarbeitung der damals noch eingekauften Couverture erläuterte ihr Ralf Wellauer, «Corporate Pastry»-Chef bei der Max Felchlin AG. Im April lernte sie schliesslich die «Bean to Bar»-Bewegung durch einen Bekannten kennen. «Er zeigte mir von Anfang bis Schluss, wie ich mit einfachen Mittel alles selber machen kann», beschreibt Wiesner ihre Zusammenarbeit. Was als Leidenschaft anfing und sich zum kreativen Ausgleich gegenüber dem Berufsalltag als diplomierte Pflegefachfrau HF entwickelte, wuchs schliesslich zu einer fixen Geschäftsidee: «Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, mein eigenes Café zu besitzen und darin die selbst gemachten Produkte aus der Schokoladen-Werkstatt zu verkaufen.» Um diesen Traum zu erfüllen, erklärt Wiesner gegenüber dem EA ihre nächsten Schritte. «Zuerst sammle ich mittels funders.ch, ein Crowdfundig-Portal, ein Startkapital, um effizienter und konstanter arbeiten zu können.» Ausserdem müsse der Bekanntheitsgrad durch Social Media und Weiterempfehlungen gesteigert werden. «Natürlich muss man Leute erwischen, die für solche Produkte offen sind.» Die Produkte verkauft Wiesner bis jetzt online oder im Restaurant Rössli, welches ihren Eltern gehört.

Begeisterung für Kulinarik
Speziell sind Wiesners Produkte in der Tat. Es sind aufregende Kombinationen mit verschiedenen Gewürzen, Arvennadeln, aber auch mit der berühmten Heumischung von ihrem Vater Stefan Wiesner, der Inhaber und kreative Kopf des Gasthauses Rössli. «Ich probiere einfach Sachen aus. Vieles davon ist auch schon schiefgegangen», lacht sie. In den aussergewöhnlichen Kreationen sieht Wiesner ein Nischenprodukt. «Es gibt nur sehr wenige, die solche Produkte zur Herstellung von Schokolade verwenden wie ich. Ausserdem werden die Leute immer mehr darauf sensibilisiert, was sie konsumieren. Viele Konsumenten möchten wissen, was genau hinter einem Produkt steckt. Daher bin ich zuversichtlich, dass wirklich etwas daraus werden könnte».

Bohnen aus fairer Produktion
Für Wiesner ist Nachhaltigkeit ein grosses Thema. So verwendet sie das gesamte Produkt. «Die Schale der Kakaobohne riecht so gut, dass ich unbedingt etwas damit machen wollte. Ich habe daraus eine Teemischung und einen «Schoggi-Sirup» kreiert. Warum wegschmeissen, wenn man es noch brauchen kann?» Die Kakaobohnen bestellt sie aus einer nachhaltigen Produktion in Belize. Das hat laut Wiesner jedoch auch seinen Preis. «Die Schokolade, die ich produziere, kann man nicht für nur zwei Franken im Supermarkt kaufen. Alles ist Fair Trade, dadurch um einiges teurer und aufwendiger. Um Kosten zu sparen, könnte ich die Couverture einfach billig kaufen und mit meinen Gewürzen ergänzen. Aber das will ich nicht.» Die Produktion der Schokolade daure zwei bis drei Tage und sei «eine Wissenschaft für sich – ich kann dadurch jedoch auch viel mehr Persönlichkeit reingeben.» All das neben einem normalen Arbeitsalltag zu bewältigen sei teilweise sehr schwierig. «Ich komme oft nach Hause und arbeite danach an meinem Business». Ausserdem sei die Beschaffung der dafür benötigten Geräte und die Produktion sehr teuer. «Besonders jetzt am Anfang», sagt sie. «Aber ich entwickle mich stetig weiter. Ich habe gute Leute, die mich unterstützen und mir helfen.» Mehr Infos zu Amy’s Schokoladen-Werkstatt unter www.schokoladen-werkstatt.ch